Wie alles begann...

Wie alles begann...

Ich bin gewiss nicht jemand, der jedenTrend mitmacht - auch nicht Yoga. Eher im Gegenteil. Es ist noch nicht solange her, da fand ich diese Menschen höchst suspekt, die sich versammelten, um Om zu singen und sich dann zu verknoten. Und jetzt plötzlich will nicht nur ich das machen, sondern der Hund soll auch noch mitmachen. Wie konnte das passieren?

 

Jeder Mensch hat diese Phasen, wo nichts so richtig funktionieren will und es auch immer schlimmer wird, obwohl man eh schon glaubt, es geht nicht schlimmer. Andreas Bourani hat es in seinem Song „Hey“ treffend ausgedrückt:

„Wenn das Leben grad zu allem schweigt
dir noch eine Antwort schuldig bleibt
dir nichts anderes zuzurufen scheint als Nein“

Natürlich habe auch ich diese Phasen, wo es ordentlich rumpelt und das Gleichgewicht in jeder Hinsicht fehlt. In solchen Phasen spart das Umfeld nicht mit gut gemeinten Ratschlägen. Schamanische Reisen, Wüstenaufenthalt, Paleo-Diät und vieles mehr sollten meine Probleme lösen. Ich entschloss mich als zu einem ei Yoga-Volkshochschulkurs. Die Termine und die Investition waren überschaubar. Meine allererste Yoga-Lehrerin hieß Daisy und war tatsächlich eine Inspirationsquelle. Ihr brasilianisches Temperament war so mitreißend, dass ich den Kurs wirklich bis zum Ende besuchte und ich hatte diese Ahnung das regelmäßiges Yoga tatsächlich helfen könnte. Aber wie so oft, der Gedanke verschwand wieder und es gab eine längere Yoga-Pause.

Der Gedanke an das warum auch immer wohltuende Yoga tauchte aber immer wieder auf. Eine Kundin hat mich dann auf eine Yogaschule aufmerksam gemacht, die extrem flexible Kurszeiten hatte. Man darf zwischen den Kursen „hoppen“. Okay, wenn ich es da nicht schaffe, schaffe ich es nie. Also habe ich bei Mona Madhavi - Yoga Ötztal begonnen – hochmotiviert. Die ersten Stunden waren furchtbar. Die körperlichen Grenzen wurden locker aufgezeigt, den Geist hat es ordentlich durchgeschüttelt. Konzentration auf die Atmung – lustiger Gedanke. ABER – es wurde vieles besser. Der verspannte Nacken und die Schultern taten weniger weh. Ich konnte besser schlafen. Plötzlich war auch das Bewegungsgefühl ein anderes. Es kam sogar der Ehrgeiz, die ein oder andere Position zu schaffen. Im Fisch bekam ich plötzlich „Luft“. Auch das Gedankenkarussel verlangsamte sich. Mir war es tatsächlich möglich, einfach in der Wiese zu sitzen und zu gucken. Immer öfter ohne quälende Gedanken.

Jeder, der mich kennt, kennt meinen Drang etwas wissenschaftlich zu belegen. Fundiert halt. Es kam, wie es kommen musste. Ich wollte wissen, warum Yoga funktioniert? Gab es Studien, wie sich Yoga auf Körper auswirkt. Ja, es gibt sie! Die drei wichtigsten Ergebnisse:

  • Yoga und Meditation beeinflussen das Gehirn nachhaltig
  • Emotionskontrolle, Körpergefühl, Aufmerksamkeit und auch Mitgefühl können trainiert, das Schmerzempfinden beeinflusst werden
  • Yoga erhöht die Konzentration des dämpfenden Neurotransmitters GABA im Gehirn um 27% (Studie von C.C. Streeter, P. Renshaw und Kollegen)

Bums! Sofort hatte ich meine Angsthunde vor Augen:

  • Ihnen fehlt oft das Körpergefühl – gerade für den hinteren Körperbereich
  • Emotionskontrolle – Fehlanzeige
  • Konzentration oder Aufmerksamkeit vor lauter Angst gar nicht möglich
  • und mein DAUERTIPP bei Angsthunden: wir müssen GABA und Serotonin im Hirnstoffwechsel erhöhen

Und dann war er da der Gedanke: „Kann man verhaltenskreativen Hunden mit Yoga helfen?“ – z. B. auch den hibbeligen Hunden, für die Ruhe ein Fremdwort ist.

Aber die Zweiflerin in meinem Kopf stellte auch gleich die kritischen Fragen:

  • Können Hunde Yoga machen?
  • Können Hunde meditieren?

Aber wie so oft schickt das Universum ja Hinweise :-). So saß ich im November 2017 in einem Vortrag von Stefan Kirchhoff zum Thema „Streuner“. Das gleichnamige Buch kann ich nur empfehlen. Beim Tagesablauf eines typischen Straßenhundes kam dann der Begriff „Gucken“. Das Kapitel im Buch beginnt wie folgt: „Ja, sie lesen richtig. Gucken ist etwas, mit dem Straßenhunde sich sehr lange beschäftigen können, so banal es klingt. … Dabei geht es allerdings nicht unbedingt um die territoriale Wachsamkeit oder Kontrolle der Umwelt, sondern vielmehr um allgemeines Gucken.“

Da war sie die Verbindung zu Meditation. Auch unser Finn begibt sich zumeist am Vormittag auf seine Baumstämme. Dort liegt er und guckt – ohne jegliche Bewegung. Man hat fast das Gefühl er ist abwesend. Am Abend liegt er in einem ähnlichen Zustand auf dem Balkon und hypnotisiert die Wetterstein-Bergkette, bei Regen auf den Stufen vor dem Ofen. Es sieht durchaus aus wie ein meditativer Zustand. Meditation kommt aus dem Lateinischen  meditatio, zu meditari „nachdenken, nachsinnen, überlegen“. Der Geist  soll sich beruhigen und sammeln.

 Auch mit meiner ersten Angsthündin Nisha habe ich das gemacht – allerdings intuitiv. Ich habe sie jeden Abend zu einer Bank getragen und wir haben dort einfach nur gesessen und geguckt. Ich habe damals nichts über Meditation gewusst. Da Nisha sich nicht bewegt hat, war einfach nichts anderes möglich. Aber der Effekt des „Guckens“ war deutlich. Wir sind beide deutlich runter gefahren und das war arg nötig. Heute denke ich – ja es ist eine Art Meditation, die für viele Hunde gar nicht mehr möglich ist, weil sie dauernd irgendetwas machen müssen.  Man merkt es auch deutlich, wenn man mit einer Meditation beginnt. Nach anfänglicher Aufregung nehmen die Hunde eine bequeme Position ein und gucken. Unabhängig davon, ob ich das jetzt Meditation nenne oder nicht , „gemeinsam mit dem Hund gucken“ ist für mich bei verhaltenskreativen Hunden eine unverzichtbare Übung geworden, die auch dem gestressten Halter hilft. Es ist übrigens ein herrliches Experiment eine Gruppenstunde mit „Gucken“ zu beginnen. Das ist für die Menschen oft schwieriger als für den Hund.

Dann zur zweiten Frage: können Hunde Yoga machen? Ja.

Jeder der schon mal Yoga gemacht hat, weiß das viele Positionen im Yoga nach Tieren (Krähe, Hund, Kobra usw.) benannt sind. In meiner ersten Stunde turnte ich gefühlte 20 Mal den "herabschauenden Hund". Und tatsächlich wurden zahlreiche Yogapositionen – Asanas – von den natürlichen Bewegungen oder Haltungen der Tiere abgeleitet, die die Tiere als wohltuend empfinden. Die Asana „herabschauender Hund“ ahmt die Verbeugung des Hundes nach, wenn er sich nach dem Schlaf streckt.

Beobachtet man Hunde, stellt man fest, dass sie von sich aus Yoga-Positionen anbieten und sich so entspannen. Dies können wir nutzen, um den Hunden und auch uns Menschen gerade an unruhigen Tagen oder nach stressigen Situationen aktiv mehr Entspannung zu bieten. Und genau das ist das Ziel von Vier Pfoten Asanas.



 

 

 


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